Italien zum Dritten: Besuch der Schwester
Sie war diejenige, die auf die Idee kam, eine Austauschschülerin in das kleine Haus weit ausserhalb zu holen. Das heisst, sie wollte eigentlich selbst die Austauschschülerin sein, aber die Eltern sind ängstlich. So ängstlich, das ich damals nicht um den See gehen konnte, ohne dass der Verlobte der ältesten Schwester mit dem kleinen, gelben Fiat hinterher fuhr, so ängstlich, das es fünf Jahre dauerte, bis sie durchsetzte, mich besuchen zu dürfen.
Sie fotografierte alles. Also wirklich alles, beim vorbei gehen, aus dem Auto, aus der Tram. Bodenbeläge, "So sauber!", Turmspitzen, kleine Parks, "Schon wieder ein Garten!", die Autobahn, das Essen, und immer wieder verschwommene Landschaften, "So grün!". Sie ging mit siebenhundert Bildern nach Hause, nach gut einer Woche, davon sechshundert unscharf, aber: "Man erkennt es!" Und das ist, was zählt, ein anderer Blick eben.
Ein Blick, der sie auch so ausgiebig über das Wort Lebensgefahr lachen liess, italienisch: pericolo di morte, Todesgefahr. Überhaupt: Italienisch. Nie richtig vertraut, und immer irgendwie klischeehaft. Aber doch die einzige Sprache, die ich kenne, bei der Konjugieren so wunderschön klingt: avrei, avresti, avrebbe.
Und die Sprache dieses Liedes, das ich seit Italien immer beim Wäscheaufhängen singe.

Italien zum Ersten und zum Zweiten. Der Eintrag zur Mutter folgt noch, die anderen beiden Schwestern wohl erst, wenn der Anbau fertig ist, und die älteste Schwester endlich den Verlobten ehelichen darf. Dann aber hoffentlich als Augenzeugenbericht.
Sie fotografierte alles. Also wirklich alles, beim vorbei gehen, aus dem Auto, aus der Tram. Bodenbeläge, "So sauber!", Turmspitzen, kleine Parks, "Schon wieder ein Garten!", die Autobahn, das Essen, und immer wieder verschwommene Landschaften, "So grün!". Sie ging mit siebenhundert Bildern nach Hause, nach gut einer Woche, davon sechshundert unscharf, aber: "Man erkennt es!" Und das ist, was zählt, ein anderer Blick eben.
Ein Blick, der sie auch so ausgiebig über das Wort Lebensgefahr lachen liess, italienisch: pericolo di morte, Todesgefahr. Überhaupt: Italienisch. Nie richtig vertraut, und immer irgendwie klischeehaft. Aber doch die einzige Sprache, die ich kenne, bei der Konjugieren so wunderschön klingt: avrei, avresti, avrebbe.
Und die Sprache dieses Liedes, das ich seit Italien immer beim Wäscheaufhängen singe.

Italien zum Ersten und zum Zweiten. Der Eintrag zur Mutter folgt noch, die anderen beiden Schwestern wohl erst, wenn der Anbau fertig ist, und die älteste Schwester endlich den Verlobten ehelichen darf. Dann aber hoffentlich als Augenzeugenbericht.
sarin1a - 22. Sep, 12:05
claudiome - 30. Sep, 20:02
Fängt dein stromhungriges Buch wieder an, Buchstaben zu verschlucken? Dann können wir ja noch lange warten, bis wir die Buddenbrooks Italiens lesen können. Hast du eigentlich blühende Zitronen gesehen? – Ich auch nicht. Aber ich kann schliesslich auch noch keine Verben konjugieren.
sarin1a - 30. Sep, 20:41
Ja, aber erst letzten Sommer, im Piemont. Im Garten der Gastfamilie gab es allerdings einen Feigenbaum, und etwas Besseres als frische Feigen, glaube ich, gibt es nicht. (Wenn du da jetzt bitte nichts hineinlesen würdest.)
claudiome - 30. Sep, 20:57
Nein. Dazu bin ich zu feige ;-). Und frische Feigen sind wirklich ein Genuss. Wir haben auch einen Feigenbaum vorm Haus stehen. Die Früchte reifen dieses Jahr aber wohl nicht.
